Zitat von Nippes:ich rede hier von der liebe zu einem partner. wenn du den liebst, dann kommst du nicht auf die idee, diesen menschen, aus egoismus am eigenen wohl zu verletzen. ich denke wir definieren liebe anders. wie gesagt, ich weiss schon was du meinst, habe das 25 jahre so praktiziert, aber wenn man liebt, macht man das nicht.
liebe zu geschwistern und kindern ist eine andere liebe.
Ich möchte als Formulierung vorschlagen, Nippes, dass man den, den man liebt,
nicht absichtlich verletzt. Ich behaupte sogar, dass die allermeisten Menschen niemanden absichtlich verletzen wollen, nicht mal Fremde, die ihnen völlig egal sein könnten. Und dennoch kommt es immer wieder dazu, dass wir anderen weh tun, oder andere uns Kummer bereiten. Warum ist das so, wenn es doch keiner wirklich will?
Dass das Verhalten der anderen (in unserem Beispiel: das Fremdgehen) ein Akt sei, der GEGEN jemanden gerichtet ist, halte ich für den klassischen Denkfehler. Dem Partner weh zu tun dürfte in den allerseltensten Fällen das Motiv für denjenigen sein, der fremdgeht! Vielmehr geht es den Menschen doch primär darum, ihren eigenen Bedürfnissen und Wünschen gerecht zu werden. Sie möchten etwas für sich tun, nicht gegen jemanden.
Dummerweise kommt es zwangsläufig zu Verletzungen, wenn gegenläufige Interessen in Konflikt treten. Jemand, der vor der Entscheidung steht fremdzugehen oder nicht, hat in einer monogamen Beziehung nur zwei Möglichkeiten und beide sind schmerzhaft: sich selbst verletzen (durch den Verzicht) oder seine/n Partner/in verletzen (durch das Fremdgehen). Entscheidet er sich gegen den Verzicht, ist das Verschweigen von Wunsch und Tat oft der unselige Versuch, den Partner vor dem Verletztsein und sich selbst vor den möglichen schlimmen Folgen zu bewahren.
Die allgemein als moralisch korrekt angesehene Einstellung a), dass man eine Liebesbeziehung nur aufgrund von s exueller Exklusivität führen könne, führt also konsequenterweise häufig zu der schrecklichen Erfahrung b), dass tagtäglich Menschen von der wichtigsten Vertrauensperson, nämlich ihrem Partner, belogen werden.
Über a) kann - und sollte! - man sich als Betroffene/r entsprechend unbedingt Gedanken machen, sich über alternative Sichtweisen und Beziehungsmodelle informieren und eigene, bewusste Entscheidungen treffen.
b) dagegen ist ein ernstes Problem. Betrogene müssen sich der Frage stellen, warum es ihrem Partner unmöglich erschien, aufrichtig mit ihnen über seine Wünsche nach einem Abenteuer zu sprechen, und Betrüger müssen sich der Frage stellen, warum sie nicht wenigstens versucht haben, ihren Partner einzubeziehen.
Die Notwendigkeit und die Bereitschaft zur Lüge ist also das eigentliche Problem beim heimlichen Fremdgehen und das Zeichen dafür, dass in der Beziehung etwas nicht stimmt.
Daher denke ich noch immer, dass mein Vergleich mit der Liebe zum Nachwuchs nicht hinkt, denn der einzige Unterschied in der Liebe zu Partnern und der Liebe zu anderen Menschen ist der S ex. Nimm letzteren als Ausschlusskriterium aus der Gleichung, und auf einmal kann man viele Menschen lieben - auch auf partnerschaftlicher Ebene, auch gleichzeitig, in wechselnder oder unterschiedlicher Intensität und Wertigkeit. Für mich eine legitime Alternative zur seriellen Monogamie, in der der bisherige Partner entsorgt werden muss, um Platz für einen neuen Menschen zu machen.
Ob meine Ausführungen nun wenig oder sehr viel mit Sweetbabes Anliegen zu tun haben, mögen nun andere beurteilen. Ich hoffe, mich halbwegs verständlich ausgedrückt und vielleicht ein paar Ideen unter die Leute gebracht zu haben.