Sergio
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Meine Frau und ich kennen uns seit 7 Jahren und sind seit 3 Jahren jeweils in 2. Ehe miteinander verheiratet. Ich bin geschieden, sie verwitwet. Sie ist eher der präsente, extrovertierte und kompetitive Typ, ich eher das Gegenteil (wobei der Unterschied nicht so krass ist wie es hier scheinen mag). Ich bin in der IT, sie ist Psychologin. Kinder sind aus dem Haus, wir arbeiten beide viel und verdienen gut.
Dadurch dass wir ziemlich unterschiedlich sind ist unsere Beziehung nicht langweilig.
Was mich belastet sind die häufigen Konflikte die aus meiner Sicht inzwischen unsere Beziehung gefährden. Und sie werden immer häufiger.
Aus scheinbar harmlosen Gesprächen können diese entstehen, aus einer beiläufigen Frage, einem mißglückten Scherz, aus einem Mißverständnis, oft Abends nach der Arbeit, bei vielen Konflikten weiß ich gar nicht worum es geht, aber sofort sind wir im Teufelskreis von Anklage und Verteidigung. Es ist fast immer meine Frau die sich bei einer solchen o.g. Gelegenheit provoziert oder gegängelt fühlt und sofort laut wird. Am Anfang versuche ich zu beschwichtigen, dann werde ich auch lauter, am Ende geht es nur noch darum wer was wann wie gesagt hat und alles wird negativ ausgelegt. Das nimmt auch kein Ende, auch nicht wenn ich sage dass es mir zu viel wird, was sie noch mehr provoziert. Irgendwann flüchte ich. Ja, schlechte Strategie, aber es hilft nichts anderes. Ich steige z.B. aus dem Auto und fahre mit der Ubahn heim und meine Frau fährt weiter.
Meine Frau verkraftet das ganz gut, sie mag den Streit, findet ihn gut für eine Beziehung und wir machen auch nichts kaputt, also kein Sachschaden, keine Beleidigungen.
Am Anfang unserer Beziehung haben wir dann oft halbe Nächte darüber diskutiert und jch dachte, dass wir diese für mich krassen Konflikte in den Griff bekommen, was Intensität und Häufigkeit betrifft. Leider nein. Alles was vereinbart war, gilt beim nächsten Streit nicht mehr, ich erkenne nicht an dass ich der Auslöser war, meine Frau "hackt "auf mich ein, bis ich flüchte.
Danach kommt meistens sie auf mich zu, am nächsten Tag, weil ich es nicht schaffe die vermutliche Ablehnung ihrerseits auszuhalten. Diese langen Bezuehungsgespräche vermeide ich jetzt.
Meine Frau weiß dass Ihr Verhalten eine "Zumutung" für mich ist, wir beide verhalten uns im Streit wie früher als wir beide Kinder mit schwierigen Eltern waren, diese Strategien haben wir heute noch als Erwachsene. Und ich merke dass ich dünnhäutiger werde, ich mir vorstelle, wie es wäre mit einer meiner Exen zusammen zu sein statt mit meiner jetzigen Frau. Wenn sie Abends heimkommt, ist mein erster Gedanke: "wie ist sie drauf, wird es Streit geben?" Ich fühle mich nicht gut dabei und sie spürt auch dass sie mir nicht gut tut, sagt sie, und fühlt sich auch schlecht dabei. Mir ist klar, dass ich nicht unschuldig bin, mich oft ungeschickt oder auch gedankenlos verhalte.
Gestern hat sie mich gefragt ob ich mich trennen möchte (sie würde das nie tun, im Gegensatz zu mir zweifelt sie nicht an unserer Beziehung), das hat mich erschreckt und auch diesen Text hier veranlasst.
Bevor Ihr fragt. wir streiten uns manchmal Wochen nicht, seit kurz vor etwa einem Vierteljahr etwa alle 10 Tage, wobei es (für mich) Tage dauert bis ich wieder "normal bin. Meine Frau steckt das fast sofort weg. Und es ist nichts Besonderes passiert was die Häufigkeit betrifft. Im Anfang unserer Beziehung war es ähnlich oft, aber noch heftiger.
Paartherapie: lehnt meine Frau ab (sie arbeitet selbst u.a. als Paartherapeutin) und sagt sie weiß alles über Beziehungen. So, danke fürs Lesen! Was sind Eure Gedanken.