Wenn ich Sie wäre, würde ich mich auch sch. finden
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Lohnt sich das?
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Frauen verdienen weniger als ihre männlichen Kollegen in gleicher Position und werden allein durch ihr Geschlecht herabgesetzt. Der Gender Pay Gap steht also in direktem Zusammenhang mit Sexismus. Deshalb bin ich überzeugt: Würden wir diese Lücke — wie auch immer — schließen, hätte das als Kettenreaktion auch direkten Einfluss auf frauenfeindliches Verhalten innerhalb und außerhalb der Berufswelt. Studien zu dieser logischen Verknüpfung gibt es noch keine. Aber wie soll man das auch messen, solange diese Lücke noch existiert. In Island trat Anfang des Jahres ein Gesetz in Kraft, das unterschiedliche Bezahlung von Männer und Frauen verbietet. Vielleicht können wir in ein paar Jahren dort mit echten Zahlen in Sachen Sexismus rechnen.
Zitat:"Würden Sie sich mit Claire Underwood anlegen?"
Bis dahin kann man zumindest jetzt schon sagen, dass es dort weniger sexuelle Gewalt an Frauen gibt als in Deutschland. Die Zahlen sind dennoch traurig: 30 Prozent versus 35 Prozent. Aber auch ohne konkrete Zahlen sagt das einem ja eigentlich der gesunde Menschenverstand: Wer sich in Sachen Geld und Macht auf Augenhöhe fühlt, verhält sich auch sonst respektvoller. Oder würden Sie sich mit einer Kollegin anlegen, die sich verhält wie Claire Underwood aus House of Cards? Eben.
Noch mal kurz zur Erinnerung: Der Gender Pay Gap beschreibt die Differenz zwischen dem durchschnittlichen Stundenlohn von Frauen und Männern. Daten hierzu liefert das Statistische Bundesamt. Momentan pendeln wir in Deutschland um die 21 Prozent. Ja, Frauen arbeiten mehr in Sozialberufen und haben weniger Führungspositionen inne. Aber: Selbst wenn man nur Frauen und Männer in gleichen Berufspositionen nebeneinanderstellt, weil sie über einen äquivalenten Ausbildungshintergrund verfügen, zuvor in einem vergleichbar großen privaten oder öffentlichen Unternehmen tätig waren, einen ähnlich ausgestalteten Arbeitsvertrag haben, in einer vergleichbaren Region und zuvor einer Beschäftigung vergleichbaren Umfangs nachgingen, dann bleibt da immer noch eine Lohndifferenz von um die sechs Prozent. Und Sexismus? Der definiert sich laut Duden als: "Vorstellung, nach der ein Geschlecht dem anderen von Natur aus überlegen sei, und die [daher für gerechtfertigt gehaltene] Diskriminierung, Unterdrückung, Zurücksetzung, Benachteiligung von Menschen, besonders der Frauen, aufgrund ihres Geschlechts". Steht da drin seit 1980, also noch gar nicht so lange. Denn früher hielt man es schlichtweg für normal: Männer sind etwas Besseres als Frauen.
Wovor haben die Männer Angst?
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Dieser Text ist keine Kritik an Männern, sondern an einem System, das sich verselbstständigt hat. Ich weiß, dass Männer meiner Generation wenig gemeinsam haben mit ihren Vätern und Großvätern, was Achtung und Respekt vor Frauen angeht. Aber die Tatsache, dass Männer immer noch mehr verdienen als Frauen, hat sich trotzdem nicht grundlegend verändert. Und hoffentlich kommt jetzt keiner mit dem ollen Argument, dass Frauen mehr in Mint-Berufen arbeiten sollen. Wissen Sie, was mit Berufen passierte, die zuerst Männerdomänen waren und dann von Frauen ausgeübt wurden? Das kann man mal all die Friseure und Kellner fragen. Der ganze Berufsstand sinkt in Ansehen und Bezahlung. Untersucht hat das zum Beispiel die Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes.
Und wer beklagt das natürlich als Erstes: alte Männer. Die beheulen diesen Umstand der "Feminisierung" ihres Berufsstandes lautstark, allen voran Ärzte und Richter. Offenbar haben sie Angst. Wovor? Ich zumindest gehe davon aus, dass jemand, der Angst vor jener Feminisierung hat, genau weiß, dass Frauen in seinem Beruf schlechter verdienen als Männer. Denn auch in diesen beiden Berufssparten wird nicht alles von Tarifverträgen geregelt. Überraschung.
Zitat:"Brüllt ein Mann, ist er dynamisch. Brüllt eine Frau, ist sie hysterisch."
Hildegard Knef
Tun wir doch mal kurz alle so, als sei uns gemeinsam daran gelegen, den Gender Pay Gap zu schließen. Einfach weil er unfair ist. Wie könnte das funktionieren? Bestimmt nicht, indem Frauen warten, dass Männer den ersten Schritt tun. Ich bin für mein Glück (und mein Gehalt) verantwortlich, nicht mein männlicher Vorgesetzter. Wenn der ein selbstgefälliger Macho ist, liegt es an mir, entweder zu kündigen oder ihn jeden Tag daran zu erinnern, dass sein Geschlecht kein Privileg ist. Die Journalistin Eva Biringer hat auf ZEIT ONLINE zu Recht gefordert, dass wir Frauen uns kritisch überdenken müssen. Sexismus ist nicht gleich Sexismus, aber es hilft keiner Frau, in eine — wie sie so schön sagt — "Wolf-Lamm-Rhetorik" zu verfallen. Natürlich mache ich mich nicht beliebt, wenn ich den Mund aufmache. Der deutsche Wortschatz hat für solche Frauen immerhin sehr schmeichelhafte Bezeichnungen übrig: Kratzbürste, Zicke, Mannsweib. Danke auch. Oder wie Hildegard Knef so schön sagte: "Brüllt ein Mann, ist er dynamisch. Brüllt eine Frau, ist sie hysterisch."