Zitat von T4U:Beide verbauen sich die Möglichkeit auf Glück. Jedem für sich. Man liebt nicht mehr einen Mann, man liebt einen Bruder und mit dem Bruder will man fürwahr nix anfangen.
Das stimmt.
Ich bin vom Typ her nicht grade konfrontativ ausgelegt, komme aus einer großen Familie mit engem Kontakt - mir bedeutet dieses Gefüge sehr viel.
Ich denke, das hängt viel mit dem eigenen Aufwachsen und Familienzusammenhalt zusammen.
Jedenfalls habe ich lange gedacht, dass es irgendwie ok ist und ich um der Kinder und der Kleinfamilie willen lernen kann, damit umzugehen/auszukommen. Habe mir eingeredet, meine Ansprüche seien zu hoch, ich müsse mich mehr anstrengen und einfach zugänglicher, kompromissbereiter sein, ihn so akzeptieren wie er ist und natürlich: ich müsse es einfach nochmal RICHTIG versuchen und hoffen und abwarten.
Auch bei uns hat die Paartherapie gezeigt, dass wir beide nicht die 110% gegeben haben, die nötig gewesen wären.
Ich betrachte, auch durch meine Therapie und die bereits ausgesprochene Trennung viele Dinge heute anders.
Beispiel:
Wir haben einen Tisch für den Garten zusammengebaut. Meine erste Idee dafür fand er doof. Ich hatte keine Lust auf Diskussionen und hab ihm gesagt ok, wir machen es so wie du willst, sag mir nur, was ich machen soll.
Er hat's jedenfalls dann so zusammengeschraubt, dass die Deckplatten nicht mehr längs passten und ich die dann einzeln neu zusägen musste.
Ende vom Lied: das lag daran, dass er die Winkel nach innen gesetzt hat, weil ich gesagt hatte, dass ich die außen nicht schön finde. Das sei also quasi aufgrund meines Wunsches schief gelaufen (was Quark ist, die Latten waren einfach außen statt innen angeschraubt).
Noch vor wenigen Monaten hätte ich ein schlechtes Gewissen gehabt und/oder hätte an der Aussage rumdiskutiert.
Heute denke ich nur: "wenn's dir damit besser geht, bitte."
Selbes noch im Frühling während der Paarberatung. Er bringt Regale an, was ich vorher schon sagte und nicht wollte und beschwert sich nachher darüber, dass ich diese Arbeit nicht gelobt habe und er habe das schließlich "für mich" gemacht.
Zieht bei mir nicht mehr, die Nummer.
Aber es ist erstaunlich, was man mit etwas Distanz auf einmal für Verhaltensmuster bei sich selbst und dem anderen sieht.
Seit ich mich nicht mehr für ihn mit um sein Zeug kümmer, fällt auch auf, dass ich MITNICHTEN für die von ihm bemotzte unordnung derart zuständig bin, wie er immer behauptet hat.
Er wechselt seine Bettwäsche nur noch alle paar Monate mal. Barthaare überall oben im Bad (das er allekne benutzt), Toilette und Waschbecken echt eklig.
Im Keller hängt Wäsche von ihm seit Wochen auf allen Leinen und leider kann er auch den Krankenkassenfragebogen nicht alleine ausfüllen und hat den TÜV verpennt.
Auch das alles hat mir jahrelang zu schaffen gemacht.
Er sieht das alles immer noch anders. Er ist ordentlich, organisiert in seiner Selbstwahrnehmung.
Ich merke: ich hab mir wahnsinnig viele Vorwürfe angehört und sie angenommen und für mich ist ganz klar geworden: das ist ein Wesenszug an meinem Mann, der geht nicht "von allein" weg.
Und den kann ich nicht aushalten in einer Partnerschaft.
Jetzt geht's - weil ich halt nicht mehr drauf eingehe bzw. das nicht mehr Ernst nehme. Für eine Partnerschaft geht das aber nicht.