Okay, liebe Usambara,
ich gehe gern darauf ein:
Zitat:>>Nein ich habe keinesfalls die Trennung aktiv vollzogen. Ich habe immer noch Liebesgefühle für ihn.<<
Diese Gefühle binden dich also noch an ihn. Das ist völlig nachvollziehbar, denn Gefühle lassen sich nun mal nicht abstellen. Aber man kann sie unwichtiger machen und letztlich kann man sich dafür mit dem Verstand entscheiden, dass diese Gefühle nicht mehr das Leben bestimmen sollen. Und dabei hilft das, was ich gern „die aktive Trennung“ nenne. Die sollte so konkret wie möglich sein. Es ist also sinnvoll, wenn du genau diese Formulierung wählst: „Ich trenne mich von dir! Ich will dich nicht mehr in meinem Leben haben! Und wenn du zurück möchtest, werde ich dich nicht mehr herein lassen!“ so oder ähnlich.
In welcher Form man das dann konkret macht, ist wieder sehr individuell. Ich rate aber davon ab, deinem Ex das persönlich mitzuteilen, denn du würdest ja – bewusst oder unbewusst – eine Reaktion von ihm erwarten. Und unerfüllte Erwartungen erzeugen automatisch auch wieder neue seelische Verletzungen. Es ist also viel sinnvoller, diese Formulierungen entweder vor dir selber zu sagen (evtl. vor dem Spiegel) oder sie aufzuschreiben. Und zwar zusammen mit der Schilderung deiner ganzen Gefühlsqual. Viele Verlassene schreiben solche Briefe, die ziemlich lang werden können. Und während man sie schreibt, ist noch offen, ob man sie wirklich abschickt oder übergibt. Meist aber wird man etwas anderes damit tun. Man kann sie an wichtigen Orten verbrennen, zerreißen und dem Wind übergeben, man kann sie vergraben oder einer Flaschenpost anvertrauen, und…und…oder… Entscheidend sind die konkreten Formulierungen, die ganz aus dem Herzen kommen.
Ebenfalls hilfreich kann es sein, wenn du dir konkret vorstellst, er stünde plötzlich vor deiner Tür um zurückzukehren. Du öffnest sie und schaust ihn an. Und dann sagst du: „Sorry, aber das ist jetzt zu spät. Du hast dich aus meinem Leben herausgenommen und ich habe dich anschließen ebenfalls aus meinem Leben herausgenommen, weil du das so wolltest. Vielleicht können wir irgendwann wieder einen Kaffee miteinander trinken, aber nicht jetzt. Geh bitte und Adieu!“
Dieses Kopfkino wird dir zunächst sehr schwer fallen, aber fast immer schafft man das irgendwann. Und es kann ein Durchbruch sein.
Zitat:>>Aber da er sich bis heute in keiner Form irgendwie Bedauernd oder ähnlich geäußert hat wächst die Enttäuschung natürlich. Ab und zu gibt es mal wenig Kontakt. Er hat da keine Hemmungen mir davon zu berichten dass er mit dieser Jugendliebefrau jetzt intensiv dabei ist die damalige Trennung on vor 45 Jahren aufzuarbeiten.<
Dann bitte ihn doch, das mit seinem Friseur zu besprechen. Du bist dafür der denkbar schlechteste Ansprechpartner. Was aber durchaus stattfinden darf, ist der Versuch, sein Handeln auf Dauer irgendwie nachvollziehen zu können, es verstehen zu können, ohne dafür Verständnis aufzubringen. Das sind zwei unterschiedliche Dinge. Wenn du es rein rational „begreifen“ kannst, was da mit ihm geschehen ist, dann ist das ein kleiner aber wichtiger Schritt in Richtung Abschließen. Und dein Ziel ist ja, in absehbarer Zeit mit ihm abzuschließen und ihn nur noch in deiner Vergangenheit zu sehen.
Zitat:>>Ich verstehe da einfach die Welt nicht mehr. Diese Unverfrorenheit mit der er unsere Beziehung bzw mich so als nichtig erklärt macht mich sprach-und fassungslos. <<
Ich verstehe das so, dass es zwischen euch kein „Trennungsgespräch“ gegeben hat, richtig? Solche Gespräche sind manchmal sehr gut und nachhaltig. Aber leider werden sie immer seltener geführt. Man ist ja schon froh, wenn die Trennung per Telefon und nicht per WhatsApp ausgesprochen wird. Eine fatale Entwicklung. In einem solchen Gespräch hat man möglicherweise die Chance, etwas mehr von dem nachvollziehen zu können, was der andere da gerade tut. Und vor allem kann man ungefiltert seine eigenen Gefühle rauslassen.
Zitat:>>Steckt er in einer Blase, in der er in die Vergangenheit um 1980 flieht und alles gegenwärtige ist gar nicht real für ihn?<<
Das ist sehr gut möglich. Niemand weiß aber, ob die Blase platzen wird oder ob die beiden so viele positive Gemeinsamkeiten finden, dass sie zusammenbleiben wollen und werden.
Zitat:>>Ich verstehe es einfach nicht was da läuft. Noch immer denke und hoffe ich dass das alles nur ein böser Alptraum ist. Ich kann einfach nicht abschließen.<<
Du kannst BISHER nicht abschließen. Aber du kannst lernen, was getan werden kann um abzuschließen. Und vor allem hast du erkannt, was dein wichtigstes Ziel ist.
Viel Erfolg auf dem Weg dorthin!