Anaria
Gast
Die Entscheidung ist schwer, niemand mit Anstand lässt leichten Herzens seinen kranken Partner zurück. Und krank ist er unbestritten, körperlich und mit Sicherheit auch schwer psychisch. Aber wenn sich ein Ertrinkender im Wasser an dich klammert kannst du ihn nicht retten, sondern du gehst selber mit unter. Nur wenn du ihn k.o. schlägst hast du eine Chance.
Genau das kann dir hier auch passieren. Inwieweit du noch Gefühle und Rettungswillen für deinen Mann hast kannst nur du selber entscheiden. In jeder Beziehung ist irgendwann soviel Porzellan zerschlagen, dass es einen point of no return gibt. Den definierst einzig und allein du. Aber bedenke auch daß du mit dieser Entscheidung und den möglichen Folgen auch leben musst. Ich weiß wovon ich spreche, denn ich habe einen Lebenspartner durch Selbstmord verloren.
Ich persönlich würde ihm vermutlich noch eine letzte Chance geben. Weil er krank ist, um der alten Zeiten willen, und damit ich jeden Morgen ruhigen Gewissens in den Spiegel schauen kann.
Ich würde aber knallharte Bedingungen formulieren. Die Trennung in getrennten Wohnungen bleibt aufrecht (du musst dich unbedingt auch schützen) und er müsste umgehend in Therapie, am besten stationär! Und dann, erst dann wenn er sich professionelle Hilfe holt und auch wirklich ernsthaft daran arbeitet sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, dann kann über eine Fortführung der Ehe überhaupt nachgedacht werden. Mag sein, dass es für die Ehe dann schon zu spät ist, dass zuviele Gefühle unwiderruflich dahin sind, aber zumindest hat er sich dann in seiner Lebenskrise helfen lassen.
Ist er zu keiner Therapie bereit oder bricht diese nach kurzer Zeit ab, dann wäre für mich der Zug entgültig abgelaufen.
Das bedeutet nicht dass DU es so machen musst, denn ob du dafür noch die Kraft hast? Wer weiß. Aber zumindest hättest du wirklich, wirklich alles versucht.
