Liebe Anna,
es ist immer schwer, von außen richtig einzuschätzen, was zwischen zwei Leuten passiert, welche Gefühle da sind. Dennoch lehne ich mich mal aus dem Fenster und gebe einigen anderen Schreibern hier recht:
Die Beziehung zu deinem AM ist vorbei. Wenn er bei dir sein wollte, wäre er bei dir. Vielleicht liebt er dich oder hat dich geliebt oder war verliebt, aber nicht so sehr, dass er den Preis zahlen will, den er zahlen müsste, um mit dir zusammen zu sein. Sein Leben aufgeben. Seine Frau, mit der ihn vielleicht nicht die große Liebe, aber viel Gemeinsames verbindet. Mit der er viel erlebt, durchgemacht und erreicht hat. Wenn er ohne dich nicht könnte, wäre es ihm egal, ob du bei der Trennung geweint hast, dann würde er in alle deine Worte und Taten und Nicht-Taten Liebe deinerseits interpretieren. Ein Mann, der mit einer Frau zusammen sein will, findet einen Weg zu ihr.
Zitat von GastAnna:Ich glaube aber dass er sich mit mir weiter entwickeln könnte wirklich so zu leben wie er will.
Er lebt so, wie er will. Seine Frau hat ihn nicht gefesselt. Er ist freiwillig bei ihr. Er träumt vielleicht von einem anderen Leben, aber nicht so ernsthaft, dass er seins dafür aufgeben will. Möglicherweise hast du ihm etwas aufgezeigt, das ihm fehlte, und das er gerne hätte. Das geht aber nicht zusammen mit den anderen Dingen, die er gerne hätte - sein gewohntes Leben, Sicherheit, . -, also muss er es aufgeben und darauf verzichten.
Vielleicht versucht er auch, es in sein Leben einzubauen. Aber ohne dich. Vielleicht sieht er seine Frau auch jetzt mit anderen Augen. Das tust du doch auch:
Zitat von GastAnna:Was dazu kommt ist dass ich heute tatsächlich nicht mehr so klar bin wie ich gefühlsmäßig zu meinem Mann stehe. Dadurch wie es mit meinem ExAM gelaufen ist war ich gezwungen mich damit zu befassen welche Bindungen da noch bestehen - und heute bin ich tatsächlich näher bei meinem Mann als in den Jahren davor.
Und wenn du es versuchst? Ihr müsst euch ja nicht heute entscheiden, ab morgen bis an euer Lebensende glücklich zu sein. Ihr könntet euch aber entscheiden, euch jetzt nicht zu trennen (habt ihr ja im Prinzip, nachdem du ihn gebeten hast zu bleiben), und mal zu sehen, ob und wie ihr eure Beziehung verbessern könnt.
Ich möchte dir ein Kommunikationsmodell vorstellen, das unser Paartherapeut uns empfohlen hat: Nehmt euch eine halbe Stunde Zeit. Seid ungestört. Dann fängt einer an zu reden, 5 min, über das, was ihn beschäftigt. Der andere hört nur zu. Keine Fragen, keine Grimassen. Dann der andere, 5 min. Jeder 3x. Oder ihr macht es mit 10 oder 15 min, dann aber nur ein- oder zwei mal wie es passt. Und danach lassen beide das Gehörte sacken. Sprecht frühestens am nächsten Tag darüber. Wir haben es ausprobiert und machen es seit 6 Wochen 1xpro Woche. Dadurch, dass man erst am nächsten Tag darüber spricht, hat man schon drüber geschlafen und reagiert nicht heftig. Man kann unbesorgt aussprechen, was einen bewegt, denn man muss keine Reaktion fürchten. Und wenn man etwas hört, was einen verletzt, und man erstmal von sich weisen will, denkt man am nächsten Tag vielleicht schon er/sie wollte mich nicht verletzten, es geht ihm/ihr nunmal so im Kopf rum, und immerhin hat er/sie mich nun eingebunden und es mir erzählt.
Vielleicht mögt ihr das mal probieren, um ins Gespräch zu kommen.