Die meisten hier geschriebenen Beurteilungen sind m. E. sehr schwarzweiß, sicher ist Klarheit wichtig, dennoch gibt es situative, persönliche und dadurch individuelle entscheidende Differenzen.
Hier wird in den meisten Fällen davon ausgegangen, dass Menschen innere Prozesse stets klar und bewusst vorliegen, das trifft m. M. nicht zu.
Man kann sehr wohl in eine Affäre hineinschlittern und erst im Verlauf des entstandenen Gefühlsdilemmas erkennen, was einem selbst in der Erstbeziehung gefehlt hat, die wenigsten reden sich diese erst schlecht, um dann fremdzugehen.
Affären sind sehr komplex. Erst der Umgang mit einer Affäre zeigt den Reifegrad und die Verantwortung der einzelnen.
Habe ich über Jahre eine Affäre und sage meinem Partner nichts davon, ist es sicher kein Affekt mehr, sondern eine bewusste Entscheidung. Nichts desto trotz kann sich das Dilemma im Betrüger weiter aufbauen und er findet tatsächlich nicht mehr alleine hinaus.
Als Betrogener sollte man sicher an diesem Punkt dem Partner entgegenkommen, m. E. aber keineswegs umfassend. Nimmt man einen Menschen zurück, der über Monate oder Jahre in einer Affäre war, kann in der Regel davon ausgegangen werden, dass Emotionen im Spiel waren. Bei einer Offenlegung der Affäre binden den Betrüger sicher, wenn auch gerne abgestritten, die Abwägung aller Faktoren, wie Elternschaft, finanzielle Verbindlichkeiten und Gewohnheit, an die Ehe. In der Regel entscheiden sich gerade Männer für die Ehe. Frauen dagegen werten Emotionen höher und gehen. Frauen sind auch eher bereit dann ohne Partner zu leben, vorausgesetzt sie sind beruflich und finanziell gleich aufgestellt wie der verlassende Ehepartner,also finanziell unabhängig, autark und selbstständig.
Trennungen sind somit durchaus eine Frage der finanziellen Lage, denn die Grundfrage ist, kann ich mir es leisten, gemeint ist, will ich es mir leisten, für Emotionen einen schlechteren Lebensstandard zu erwerben. Gerade Männer lehnen dies in der Regel ab. Frauen eher nicht.
Grundsätzlich ist es sicher richtig, zu überprüfen, ob eine Ehe nach einer Affäre weitergeführt werden kann, und auch hier gibt es keine Pauschalisierungen, denn die neue Ehe, die mit Betrug, durchläuft danach einen Prozess, der lange anhält und viel Kraft kostet, die alleinige Willenserklärung , wir bleiben zusammen, führt nicht zwangsläufig zum Erfolg desselben, selbst wenn sich das festvorgenommen wurde.
Untersucht man Studien, warum Paare sich trennen, dann ist Betrug nach wie vor vorne, ebenso fehlende Kommunikation und Nähe. In dieses Lücke grätscht dann ja auch die Affäre.
Betrogene sollten sich genau anschauen, was der Betrug mit ihnen gemacht, sich Zeit nehmen, zu schauen, ob sie tatsächlich noch glücklich waren und die Gründe zum eigenen Verbleib genau überprüfen und mit in Erwägung ziehen, dass auch sie einem Prozess unterworfen sind. Erst dann ist das Gegenüber zu betrachten.
Ein Ehepartner, der länger als ein Jahr fremdgegangen ist und womöglich nur durch Auffliegen gesteht, wird dies wieder tun, irgendwann, diese Ehen haben meines Erachtens keine Chance nochmal Partnerschaft auf Augenhöhe zu werden. Wohlgemerkt Augenhöhe. Es kann aber auch zu einer unausgesprochenen Toleranz kommen.
Meine Ausführungen beinhalten nicht Fremdgänger, die notorisch und ohne jedes Dilemma betrügen. Hier ist immer eine Entscheidung.