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Wie Vertrauen aufbauen?

Löwin45

Löwin45


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Zitat von Anitar:
Heute ist es sehr schlimm. Ich hab ihn vorhin in seiner Pause angerufen. Ich zittere und bin fertig. Er schreit nur noch um sich. Ich hätte ihm die Schlinge um seinen verfi.. ten Hals gelegt. Er schrie mich an er wolle nie wieder das Wort "aber" hören. Ich sagte (in ruhigem Ton) halt blöderweise "Aber du hast doch immer von 12.00 bis 12.30 Mittagspause?" Ich wunderte mich halt warum er 5 vor halb 1 sagte er hole sich jetzt was zu essen. Sofort Kopfkino was hat er denn die letzten 25 Minuten gemacht? Online S. Chats gehabt? Das hab ich aber nicht ausgesprochen, nur gedacht. Er ist völlig ausgeflippt, schrie nur noch rum.

Stopp das!
Es bringt dir nichts - es zerstört nur.

Glaube nicht, dass dir eine lückenlose Überwachung wirklich hilft.
Befürchtest du wirklich wenn er 10 Minuten zu spät ist, dass er dann in den 10 Minuten etwas anstellt.

Du erdrückst ihn. Ehrlich gesagt, würde ich mir das an seiner Stelle auch nicht bieten lassen.

Warum hatte er dich betrogen? Existiert dieser Grund noch?
Warum sollte er sofort danach trachten, es wieder zu tun?

Löse dich unbedingt von diesen Gedanken. Dies wird ansonsten zur fixen Idee, die einen viel zu großen Raum in deinen Gedanken einnimmt.
Werde dir bewusst, dass er trotz alledem nicht dein Eigentum ist und auch nicht ausschließlich für deine Wohlergehen verantwortlich ist.
Das bist du.

Bemühe dich wieder die starke Person zu werden, die du vorher warst und in die er sich damals verliebt hatte.
Besinne dich auf dich selbst.
Du bist die starke Frau in der Konstellation.
Er sollte froh sein, dass du ihm vergibst und bei ihm bleibst.
Werde dir dessen bewusst.

22.08.2019 13:06 • x 3 #31


ramse


Zitat:
Heute ist es sehr schlimm. Ich hab ihn vorhin in seiner Pause angerufen. Ich zittere und bin fertig. Er schreit nur noch um sich. Ich hätte ihm die Schlinge um seinen verfi.. ten Hals gelegt.


Das klingt schlimm.

Versuch als ersten Schritt mal selber runterkommen und dich wieder zu entspannen. Vielleicht hilft es dir dazu eine Atemübung / Entspannungsübung zu machen, davon findest du viele auf Youtube. Es klingt danach, dass ihr beide gerade in akuten Hochstresssituationen gesteckt habt - das Handeln und die Reaktionsmuster werden in dieser Situation auf die Reaktionen Kampf, Flucht oder Erstarrung eingeschränkt. Was dabei wegfällt ist das rationale Denken.

Du erwartest in deiner Stressreaktion von ihm, dass er dich beruhigt, auf dich eingeht etc. gehst dazu mit Kontrollanrufen etc. in den Angriff. Das würde aber von ihm erfordern, dass er den rational denkenden Part übernimmt, was er aber auch nicht mehr kann - das ständige Misstrauen und Kontrolliert werden überfordert ihn, auch er kippt in das uralt verankerte "Überlebensmuster" und kann nur noch mit Kampf, Flucht und Erstarrung reagieren.

Es sind Situationen, die ihr besprechen müsst, wenn ihr beide entspannt seit. In der Situation selber könnt ihr euch nicht gerecht werden. Wenn die Emotionen langsam überkochen, macht es auch Sinn, das Gespräch zu unterbrechen - das aber auch ansprechen: "Ich merke wir sind gerade beide überfordert, das Gespräch eskaliert vermutlich gleich. Bitte setzen wir das Gespräch zu einem anderen Zeitpunkt genau an dieser Stelle fort" Dann haben beide Zeit dazwischen herunterzukommen, über das wo man aneinander angestoßen ist rational nachzudenken und auch die eigenen Anteile daran zu reflektieren.

Es ist eine unangenehme Situation für beide: Versuch mal seinen Betrug im Gedankenexperiment wegzulassen. Dann stell dir vor dein Mann hegt plötzlich den Verdacht, dass du mit dem Postboten schläfst - das alles völlig unberechtigt. Er ruft dich aufgewühlt von der Arbeit aus an, fragt dich "ist die Post schon gekommen?" Du sagst: "Nein." Und es geht weiter, dass er fragt: "Aber kommt die nicht normalerweise um 10?" etc. Du weißt, dass er diesen Verdacht hegt, auch wenn er ihn nicht konkret anspricht. Irgendwann würden auch bei dir die Stricke reißen.

Natürlich gibt es bei euch eine Vorgeschichte - seine emotionalen Reaktion darauf, ständig und vermutlich unbegründete unterschwellige Vorwürfe und Misstrauen zu erfahren, ist aber die selbe, wie wenn sein Betrug nicht stattgefunden hätte.

22.08.2019 13:31 • x 2 #32



Wie Vertrauen aufbauen?

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Löwin45

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Zitat von ramse:
Du erwartest in deiner Stressreaktion von ihm, dass er dich beruhigt, auf dich eingeht etc. gehst dazu mit Kontrollanrufen etc. in den Angriff. Das würde aber von ihm erfordern, dass er den rational denkenden Part übernimmt, was er aber auch nicht mehr kann - das ständige Misstrauen und Kontrolliert werden überfordert ihn, auch er kippt in das uralt verankerte "Überlebensmuster" und kann nur noch mit Kampf, Flucht und Erstarrung reagieren.

Genau, so sehe ich das auch.
@anitar
Ich glaube, ihr habt tatsächlich beide komplett unterschiedliche Erwartungen aneinander und überfordert euch beide.

Er erwartet vermutlich, dass du mit all seiner Bereitschaft zur Überprüfung, Paartherapie... zufrieden sein solltest.
Er gibt doch schon sooo viel - in seinen Augen. Das sieht er nicht entsprechend wertgeschätzt.
Durch deine ständigen Kontrollen, bekommt er das Gefühl unzulänglich zu sein, nicht liefern zu können, was du benötigst. Dadurch gerät er in eine Situation, sich deiner erwehren zu müssen - der reine Selbsterhaltungstrieb.
Das lässt ihn offensiv werden - der reine Selbstschutz.
Sein schlechte Gewissen beutelt ihn zwar, lässt ihn aber nun trotzig werden.

Du erwartest, dass er dir deine Ängste nimmt bzw. sogar dafür verantwortlich ist, dass du dich besser fühlst. Du stehst (sinnbildlich) vor ihm als eine personifizierte Anklage. Da er überfordert ist und nicht entsprechend reagiert (s.o.), steigerst du dich immer weiter in diese Situation hinein.

Es erscheint als Teufelskreis.

Nochmal, ich würde dir dringend raten, dies zu stoppen.
Ja, führt Gespräche aber in einer geplanten entspannten Situation.
Vielleicht bittet ihr tatsächlich eure Paarberatung um Moderation ähnlich einer Mediation

22.08.2019 14:46 • x 2 #33


Anitar

Anitar


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Ich danke euch allen, es hilft mir gerade enorm meinen Anteil zu reflektieren.
Zu allem Übel ist mir heute Nachmittag noch was saublödes passiert. War kurz mit dem jüngsten Kind vor der Tür. Das andere Kind hat geschlafen. Als ich wieder rein wollte sah ich dass mein Schlüssel verbogen war und sofort durchbrach. Zum Glück noch nicht reingesteckt. Ich hab zunächst versucht mein Kind wach zu klingeln was nicht funktionierte. Alle Nachbarn in unmittelbarer Nähe abgeklappert, niemand da. Dann hab ich irgendwen angesprochen damit ich telefonieren kann. Meinen Mann angerufen ob er kommen kann. Ging irgendwie. Nach einer Stunde war er da. Ich in der Zwischenzeit weiterhin versucht Kind im Haus wach zu bekommen. Fehlanzeige. Ich dachte schon während dem Warten dass es bestimmt dann wach wird wenn er vor der Tür steht. Ja, etwa 3 Minuten bevor er kam tapste Kind die Treppe runter und ließ mich auf der Terrassenseite rein. Ich hoffe nur er glaubt mir dass es so war.

Was für ein Tag. Fühle mich mies. Hatte ihn per WA noch angegriffen und gestichelt. Bevor er vorhin wieder zurück zur Arbeit musste sagte er tschüss und wartete auf eine Reaktion von mir. Bekam erst nichts raus. Er schlich noch bisschen rum. Kind wollte nochmal was von ihm. Nochmal tschüss, ich erstarrt. Bevor er ganz ging hab ich dann doch noch unter Tränen gesagt dass ich heute ein Monster war. Er nahm mich kurz in Arm und sagte dass er mich nicht weinen sehen kann.

22.08.2019 15:32 • #34


Anitar

Anitar


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Wieder auf die eigenen Instinkte hören, - ja das ist so wahr, das hilft mir gerade auch ungemein, der Gedanke. In mich selbst und meinen Instinkten vertrauen.

22.08.2019 15:59 • #35


Smokine

Smokine


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Wenn ihr alles aufgearbeitet habt warum weshalb und wieso es zu der affäre kommen konnte und ihr eure beziehung komplett umgekrempelt habt, und du das gefühl hast jetzt läuft alles besser, dann stellt sich das vertrauen von selbst ein. So kann ich es aus eigener erfahrung sagen.. Hat man neben her gelebt und redet jetzt über alles miteinander, findet sich auch S. wieder anziehend, vermißt man sich wieder, verbringt man wieder händchenhaltend die spaziergänge usw... dann stellt sich das vertrauen wieder ein. Du merkst ja ob dein mann deine nähe sucht und dir sagt wie sehr er dich liebt. So gerne ich auch nach 2 jahren immer wieder darüber sprechen wöllte ich glaub männer nervt das dann einfach nur. Für die ist es abgehakt und vorbei. Ich glaub wir frauen ticken da anders.

22.08.2019 16:35 • x 2 #36


Löwin45

Löwin45


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@Smokine
Genau so!
Da kann ich dir nur zustimmen.

22.08.2019 18:18 • x 1 #37


paulaner

paulaner


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Zitat von Anitar:
Mir fehlt diese Bereitschaft so wie dein Mann es geschafft hat.

Was glaubst du?
Wie würde dein Mann reagieren, wenn du ihm einige Posts hier ausdrucken würdest?
Gerade die Beiträge von @Löwin45 könnten ihm verständlich machen, was du brauchst. Und zwar von ihm.

Ich sehe es immer so, dass das Vertrauen nur dann wieder aufgebaut werden kann, wenn du den Eindruck, oder das Gefühl, wieder hast, dass er unbedingt ehrlich zu dir ist. Und zwar in jeder Hinsicht. Beim Aufarbeiten der Vergangenheit, aber auch in der Gegenwart.
Und...er muss verstehen, dass du verletzt bist und er dafür ja nun allein verantwortlich ist.

Zitat von Anitar:
Damit meine ich nicht unbedingt die Kontrollen. Mehr seine Bereitschaft zu helfen

Genau das muss er begreifen.

23.08.2019 10:34 • x 1 #38


Holzer60


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Liebe Anitar,

also so, wie es in deinem Eingangstext geschrieben steht, kann es auf Dauer natürlich nicht funktionieren. Wenn dein Mann Bilder schicken oder die meisten seiner Schritte dokumentieren möchte, dann ehrt ihn das, aber das hat dann wirklich nichts mehr mit einer gesunden Beziehung zu tun.

Vertrauen ist eine der wichtigsten Säulen in einer Beziehung und die grundsätzliche Frage lautet wohl, ob du ihm wirklich wieder vertrauen möchtest und vertrauen kannst (mit ehrlichen Herzen)? Das ist natürlich eine sehr schwierige Frage, aber wenn du diese mit JA beantwortest, dann musst du es auch ganz ehrlich und ohne jegliche Nachweise tun.

Aber stell dir vor, er kommt irgendwann unerwartet später nach Hause, weil er schuldlos in eine ungeplante Lage geraten ist (Stau, Zugverspätung usw). Was wirst du in diesem Moment denken? Richtig, du wirst dir tausend Fragen stellen und unbewusst misstrauisch sein. Kurzum, du wirst ihm ungewolltes Unrecht antun.

Das war einer der Gründe, warum ich mich letztendlich freundschaftlich von meiner Exfrau getrennt habe. Einerseits wollte ich nicht mehr in solche kraftraubenden Gedankenspiele kommen und anderseits wollte ich ihr aber auch mit solchen Denkweisen kein Unrecht zufügen.


PS

Die Entscheidung kann nur jeder für sich selber treffen.


VG Holzer60

23.08.2019 11:08 • x 2 #39


Wurstmopped

Wurstmopped


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Vertrauen schenkt man und das muss man wollen!
Ich konnte mein Vertrauen auch nur einmal an die gleiche Person verschenken...alles andere wäre ein Zwang gewesen und wie Holzer60 schon schreibt...diese Situationen wo man dann trotzdem getriggert wird und ins Grübeln kommt, wollte ich auch nicht mehr ertragen.
Es ist schon schwer genug einem neuen Partner das Vertrauen nach so einer Erfahrung zu schenken. Daher Hut ab, wenn jemand es schafft nach einem Betrug wieder mit Leichtigkeit und Vertrauen in die Beziehung zurück zu finden .

23.08.2019 11:31 • x 3 #40


Löwin45

Löwin45


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Zitat von Wurstmopped:
Es ist schon schwer genug einem neuen Partner das Vertrauen nach so einer Erfahrung zu schenken. Daher Hut ab, wenn jemand es schafft nach einem Betrug wieder mit Leichtigkeit und Vertrauen in die Beziehung zurück zu finden .

Stimmt!
"Leichtigkeit" ist ganz sicher, etwas, das sich (wenn überhaupt) erst spät wieder einstellt.
Denn "leicht" ist das nie.

Ich glaube, dass es dabei sicherlich auch auf einen selbst ankommt - ABER, der größte Anteil muss von dem Mensch kommen, der es vorher leichtsinnig verspielt hatte.

23.08.2019 11:39 • #41


Holzer60


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Zitat von Wurstmopped:
Es ist schon schwer genug einem neuen Partner das Vertrauen nach so einer Erfahrung zu schenken. Daher Hut ab, wenn jemand es schafft nach einem Betrug wieder mit Leichtigkeit und Vertrauen in die Beziehung zurück zu finden .


So sieht es aus und das können letztendlich wohl die wenigsten Menschen wirklich.



VG Holzer60

23.08.2019 11:40 • x 2 #42


Gorch_Fock

Gorch_Fock


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Warum lässt Du ein Kind in einer verschlossenen Wohnung zurück, welches noch nicht mal auf Dauerklingeln reagiert? Schon mal überlegt was passiert wäre, wenn Du zusätzlich den Herd angelassen hättest, ein Feuer ausgebrochen wäre?

23.08.2019 12:08 • x 3 #43


Anitar

Anitar


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@gorch_fock: ich bin nur kurz vor die Tür und Kind war im Tiefschlaf. Es gibt Situationen da lässt es sich nicht vermeiden dass man mal KURZ vor die Tür muss. Oder würdest du wenn du z. B. noch schnell die Mülltonne für die Müllabfuhr an den Straßenrand bringen müsstest extra ein Kind aus dem Tiefschlaf reißen?
Und nun zu überlegen was wäre gewesen wenn ich Herd angehabt hätte - was soll das denn? Hab ich nicht, und würde ich nicht. Hätte, würde, könnte... da müsste man sich den lieben langen Tag den Kopf zerbrechen.

23.08.2019 12:55 • #44


Anitar

Anitar


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Zitat von Löwin45:
Stimmt!
"Leichtigkeit" ist ganz sicher, etwas, das sich (wenn überhaupt) erst spät wieder einstellt.
Denn "leicht" ist das nie.

Ich glaube, dass es dabei sicherlich auch auf einen selbst ankommt - ABER, der größte Anteil muss von dem Mensch kommen, der es vorher leichtsinnig verspielt hatte.



Wie sähe für dich dieser Anteil aus, Löwin? Mit was für Zeichen / Taten?

23.08.2019 12:56 • #45



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