whynot60
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Zitat von ysabell:warum braucht es Konkurrenz, damit der Partner wach bleibt, es spannend bleibt? Das finde ich etwas kläglich. Wenn mich ein Mann interessiert, muss ich nicht immer Konkurrenz wittern, um Interesse an seinem Wesen, seinen Gedanken. . . zu haben.
Ich finde es einfach erstaunlich, dass sich der Fokus der Aufmerksamkeit oftmals auf Konkurrenz, Sicherheit richtet.
Ich denke, das liegt wohl daran, daß S. oftmals auch im Fokus der Anziehung liegt, und auch, wenn er im Verlauf einer Beziehung an Bedeutung verliert, bleibt er als zumindest insgeheimer Initiator bewacht mit den Augen des Argos, weil der Stifter natürlich beständig im Verdacht steht, auch auswärts etwas stiften zu können, das einem ungelegen käme.
Es ist ja höchst erstaunlich: Ich habe auch schon Paare erlebt, die seit zehn Jahren gar keinen S. mehr hatten. Aber wehe, einer wäre fremdgegangen! Wie erklärt sich das?
Wovon Du sprichst, bezieht sich ja vornehmlich auf das Geistige und Seelische. Das stiftet in der Regel aber keine Beziehung (im herkömmlichen Sinn verstanden). Daher fällt hier dieses Konkurrenzgefühl weg - außer vielleicht unter Intellektuellen, denen es darüber das Näschen angehoben hat.
Anders gesagt: Ein Nebenbuhler wird nur dann als solcher empfunden, wenn der Verdacht besteht, er wolle dem Partner an die Wäsche (und nicht vielleicht ans Hirn). Und das wiederum schreckt auf, weil darin eine Gefahr gesehen wird. Möglicherweise aus archaischen Gründen. Stichwort: Fremdzeugung. Auch wenn ich selber das nicht glaube, sondern es bedroht viel eher die Eitelkeit und die Macht über den anderen (an der bekanntlich der Schwache seine Sicherheit aufhängt).
Vielleicht verdeutlicht ein kleines Beispiel, was in den Köpfen vor sich geht. Ich habe einmal mit einem (gebildeten) Freund über dieses Thema geredet. Es ging um eine (verheiratete) Frau, die kurzfristig einen Ausflug in fremde Gefilde gewagt hatte und die, nachdem ihr Mann dahintergekommen war, wieder zu ihrem Mann zurück ist. Jener Freund meinte dann abschließend dazu (ich kann das nur wörtlich ausdrücken): "Na der (der Ehemann) wird sie nun wieder ordentlich packen!" Ich glaube, das zeigt sehr deutlich, was im Zentrum zumindest vermutet wird.
Es geht in der Regel in der Sonnenmitte eben um S., nicht um Geistiges, Seelisches, und daher ist eine Beziehung (und die daran Beteiligten) hier auch am verwundbarsten. Dort auch nur eine kleine fremde Berührung, an diesem heiligsten Ort, und schon geht das Lichtlein aus.
Zitat von ysabell:Und dieses stillschweigende Einvernehmen habe ich übrigens selten erlebt. Die meisten Männer, die ich kennenlernte, sprachen über die Wichtigkeit von Treue, wenn sie nicht gar drauf pochten.-
Ja, das nennt man Vorbeugung! Vielleicht waren das besonders selbstverunsicherte Angsthasen, die ihre Eier schon am Gründonnerstag gelegt haben.
Interessanterweise gibt es aber ja auch das umgekehrte Phänomen: Ich bin ja schon lange, seit meiner Jugendzeit, nicht mehr von diesem Eifersuchtswahn geplagt. Und wenn das bei einer Beziehung oder bereits beim Kennenlernen zur Sprache kommt und ich eben wahrheitsgemäß sage, daß ich nicht besonders eifersüchtig bin, dann gab es darüber noch nie etwa einen Jubelausbruch oder auch nur ein Aufatmen, sondern geradezu einen Dann-kannst-du-mich-aber-auch-nicht-lieben-Verfall. Daran merkt man, um welche Wertigkeiten es hier geht.
Hätte ich je die Neigung zur Klugheit gehabt, wäre mir nichts übriggeblieben, als diesen Vorzug, für den ich ihn noch immer halte, tunlichst zu verheimlichen und mich besser als Ausraster schon bei einem Fremdtelefonat zu zeigen.