Zitat von janice9: Es tut mir so wahnsinnig leid, wenn ihr denkt, ich mach hier gerade eine Rückschritt. Schmerzt einfach so sehr. ich bin so wahnsinnig enttäuscht von diesen Menschen, dass ich ihm so viel von mir, so viel Aufmerksamkeit und so viel Liebe gegeben habe und er mich so Verdammt Miss interpretiert und dass alles gegen mich verwendet. Und mich jetzt einfach nur blockiert und kein Wort mehr mit mir spricht. Ich finde das einfach nur unfair. Mir bricht das Herz immer und immer wieder. Ich muss euch das einfach sagen.
Hey, Janice, was Du jetzt durchmachst, ist höllisch schmerzhaft. Du fühlst Dich entsorgt, weggeworfen, unbeachtet und hast das Gefühl viel mehr gegeben als bekommen zu haben.
Beim Lesen Deines Posts fiel mir auch auf, dass Du Dich hier wirklich als eine Art Missionarin betätigt hast. Du wolltest einen Mann aus ihm machen - leistungsfähig und verantwortungsbewusst, aufs Fortkommen ausgerichtet. Doch all das ist er nicht, denn er ist faul.und träge und will sich nicht anstrengen, sportliche Aktivitäten ausgenommen.
Das ist kein Lebensmodell, aber er hat es so gewählt und es wurde ihm auch gewährt - vom Vater, der sich nicht kümmerte und ihm keine männliche Identifikationsfigur war (Jungs brauchen das, sie brauchen männlliche Vorbilder, dass sie selbst zum Mann heranreifen können, aber die meisten sind von zu vielen Frauen umgeben) und der Mutter, die sich zu viel kümmerte und seine Trägheit und Unwilligkeit noch unterstützte und ihn damit an sich band.
Du wolltest was ausrichten, helfen, Dich kümmern, etwas verändern obwohl es ja gar nicht Dein Umkreis war, zumiindest zunächst nicht.
Es gibt Menschen, die wollen helfen, weil es in ihnen so angelegt ist (wird meist in der Kindheit erworben, wenn ein Kind quasi die Rolle eines Erwachsenen übernehmen muss und zu wenig Kind sein darf), aber sie wollen natürlich auch was dafür. Anerkennung, Akzeptanz, Lob.
Und das blieb dann aus und an die Stelle traten Abwertung, Handgreiflichkeiten, Beschimpfungen.
Vielleicht auch weil Du ihm quasi einen Spiegel vorgehalten hast. So wie er sein sollte, aber nicht ist. Wenn man das unbewusst wahrnimmt, werden manche aggressiv.
Und dann standest Du auf verlorenem Posten, denn Mutter und Sohn halten eisern zusammen und Du wurdest zu einer Randfigur, mit der man alles machen kann und darf.
Schuld daran ist natürlich auch die große innere Sehnsucht nach Rückhalt, Zugehörigkeit, Liebe, Aufgenommenwerden, weshalb Du auch diese seltsame Stellung der Mutter akzeptiert hast.
Wer Sehnsucht nach etwas hat, passt sich an, um das zu erreichen.
Und damit hast Du Dir dann unbewusst auch ein Bein gestellt, weil Du an der falschen Stelle angedockt hast.
Was du jetzt fühlst, ist kein Rückschritt, ich glaube sogar eher ein Fortschritt. Denn allmählich fallen Dir schmerzhaft einige Dinge auf, die sich ereignet haben und Du schaust kritischer auf dieses Mutter-/Sohnkonglomerat, das wie eine Phalanx gegen Einflüsse von außen da steht.
Und diese Erkenntnisse tun zwar weh und schmerzen, aber sie sind auch wertvoll für Dich. Denn das ist ein sehr wichtiger Schritt zur Ablösung. Es tut noch sehr weh, es schmerzt, es zerreißt Dich gefühlt innerlich, weil jetzt die Enttäuschung kommt. Ein Wort, das ich sehr gerne mag. Das ent, was eine Gegenbewegung ausdrückt (wie ent-fernen, ent-fliehen), aber auch die Täuschung beinhaltet. Die Illusionen, an denen Du Dich festgehalten hast.
Die führen dazu, dass man in eine Schutzhaltung geht. Er ist ja auch liebevoll, er hat mir Herzchen gemalt und ein Geschenk gemacht, wir hatten auch oft Spaß zusammen, ich habe mich dort auch oft wohl gefühlt. Das beginnt schon ganz am Anfang, dafür sorgt schon der Hormonrausch, dass man keinen klaren Blick auf etwas hat. Und dann werden Dinge anders bewertet, weil der Verstand in die zweite Reihe tritt. Man macht sich ein gutes Bild. Super, die Mutter, die sich kümmert und so viel in die Hand nimmt, der Sohn, der ja so lieb ist und mir jeden Wunsch von den Augen abliest. Und mit der Zeit geht der Hormonhaushalt wieder in Richtung Normallevel und man beginnt, klarer zu sehen. Aber das will man doch gar nicht, man will doch im Wolkenkuckucksheim bleiben.
Und dafür gibt es einfache Mittel. Was man klar sieht, wird abgewertet. Nein, das ist nicht so, das ist anders. Und nein, er ist nicht so, er hat nur mal die Beherrschung verloren. Und ja, wahrscheinlich bin ich auch Schuld daran, weil ich ihn vorher doch sanft kritisiert habe. Und das hat er in den falschen Hals gekriegt und deswegen hat er so reagiert.
Und ich muss auch sehen, dass seine Kindheit ja auch nicht normal lief und daher muss ich eben auch verstehen, dass er manchmal und mit der Zeit immer öfter sehr seltsam wird und auf mich los geht.
Bis es nicht mehr geht. Bis man begreift, ich werde beschädigt oder aber ich werde ausgesondert. Und dann kommt das Gefühl der Wertlosigkeit (ich war es nicht wert, geliebt zu werden), der Selbstabwertung (ich habe auch viele Fehler gemacht, ich hätte anders sein müssen als ich war, dann ...) und die Bitterkeit.
Das sorgt für Wehmut, Seelenschmerz und Tränen. Viele Tränen, viele Heulattacken, bevorzugt in den frühen Morgenstunden, wo oft alles aufkommt was in einem arbeitet und da ist dann alles düster und schwer.
Es ist die erste schlimme Phase. Oft schließt sich daran die Wutphase an. Die sollen verrecken, die sollen dies und sollen jenes, ich wünsche ihnen Scheitern auf ganzer Linie, es soll ihnen schlecht gehen. Aber die Wut richtet sich dann auch oft gegen einen selbst. ich war so blöd, ich hatte Tomaten auf den Augen, ich wollte das alles nicht wahrhaben und habe die Augen zugemacht, ich war dumm und blöd und willfährig und das habe ich jetzt davon. Alles ist gegen mich.
Ja, auch diese Phase ist leider oft sehr intensiv, aber es ist auch gut, wenn sie kommt. Denn man sieht daran, dass man doch noch jede Menge Reserven hat. Wut frisst Energie und die muss man erst mal haben.
Dann heult man zur Abwechslung wieder und denkt sich, es wird mir niemals mehr gut gehen.
Aber irgendwann baut die Wut ab, denn sie ist ein dermaßen negatives Gefühl, dass man sie gar nicht auf Dauer haben will. Und dann kommt ganz allmählich die Akzeptanz. Er ist so und die Mutter ist so und dort passe ich nicht rein. Ich war eigentlich die einzige Erwachsene in diesem jämmerlichen Kindergarten. Ja, schade, aber es ist wie es ist und es war, wie es war. und im Grund genommen ist es gut, dass ich davon los gekommen bin.
Und dann ist irgendwann der Weg frei, weil die Emotionen nicht mehr das Sagen haben. Dann kann man mal ganz nüchtern und sachlich auf das Geschehene blicken, erkennt vieles. Wie die Mutter war, wie er war, aber auch wie ich dort war und das ist auch nicht nur schön. Denn man schaut dann eben auch sich an. Das eigene Unvermögen, das Festhalten an etwas Schädlchem, das Nachgeben, wo man hätte Position beziehen müssen.
Das nennt man dann Bewusstwerdung und Erkenntnis. Wenn das ausbleibt und nicht durchlebt wird, erkennt man die eigenen Fallstricke nicht. Man bleibt stecken und merkt es nicht. Und dann passiert oft das, was man nie wollte. Die Wiederholung mit anderen Darstellern.
Ich hatte mal ganz schweren Liebeskummer. Er war ein richtiges Ar... , ich sah das, aber ich ging nicht. Nein, festhalten wollte ich ihn, das Unmögliche möglich machen. Ich war 35 und er 28. Keine gute Konstellation. Ich war ihm an Lebenserfahrung weit voraus, aber ich überließ diesem große gewordenen Kind die Führungsrolle und kuschte. Ich merkte alles, auch als da im Hintergrund eine andere lauerte. Ich spürte es und konnte nichts dagegen tun und redete mir weiterhin alles schön. Du sehst Gespenster, aber es waren keine Gespenster. Und dann servierte er mich ab. Den Sx am Abend zuvor nahm er noch mit, noch ein gemeinsames Frühstück und dann die Trennung. Eiskalt, Du hörst zwei Sätze und bildest Dir für den Bruchteil einer Sekunde ein, dass Du Dich verhört hast. Gleichzeitig weißt Du, es ist wahr.
Ich musste weg, denn ich war überflüssig. Die Andere, um Jahre jünger als ich, passte besser. Zwei Jahre später heiratete er sie, mit großem Aufwand, aber das interessierte mich damals schon nicht mehr. Wieder ein paar Jahre später die Scheidung, der berühmte warme Wechsel, wo man von einer Beziehung in die nächste springt, bringt oft nicht das erhoffte Glück. Ich hatte Liebeskummer ohne Ende, ich grämte mich, ich heulte, ich bekam psychsosomatische Beschwerden wegen des Seelenstresses. Ich wartete, Monate über Monate, bis es besser wurde und ich allmählich wieder heiler wurde.
Aber ich hatte die letzte Phase nicht durchlebt, die der Bewusstwerdung. Ich hatte nur gewartet, bis es nicht mehr weh tat. Und das war zu wenig, weil ich nichts daraus gelernt hatte.
Die Seele vergisst nichts, egal wie sehr Du von ihr davon rennst. Sie holt Dich wieder ein. Und dann schickt sie Dich vielleicht Jahre später in die Wiederholung einer Schrottbeziehung, wo Du Dich auch wieder klein machen und klein halten lässt und ihm zusiehst, was er alles macht und tut, während Du - Lieschen Müller halt, ein wenig dümmlich und unwertig..
Derselbe Schmerz wieder, aber dieses Mal kapierte ich erstmals, das hat was mit Dir zu tun. Das ist kein Zufall. Dasselbe Muster, das ich wieder abspulte, nur dass ich Heinz gegen Georg austauschte.
Das war der Schlüssel zum Dilemma. Uralte Muster die man mir beigebracht hatte, lebte ich nach. Von wegen erwachsen, ich agierte und fühlte mich wie die Fünfjährige, die damals schon kalt gestellt wurde und spürte, ich bin nicht wichtig, es ist nicht wichtig was ich fühle, denn das wird ja nicht gesehen. Ich bin im Grund genommen selbst dafür zuständig mich um mich zu kümmern. Irgend so was schleppt jeder mit sich rum. Das Unbewältigte kommt immer wieder hoch, das was man weggeschoben hat, nicht sehen wollte.
Und das war genau das was mir damals ein Psychologe sagte. Man lebt dasselbe Schmerzhafte solange durch, bis man endlich sich anschaut und sich dessen bewusst wird, wie man lebt, sich verhält und wie man über sich selbst denkt.. Die Bewusstwerdung ist dann der Schlüssel für mehr Reife. Die Seele merkt, dass man nicht nur den Ex. analysiert, sondern sich um sie kümmert und dann kann sie auch Ruhe geben. Weil sie wahrgenommen wird.
Die Seele kennt nur den Zwang zur Wiederholung, um uns auf genau das hinzuweisen, was im Argen liegt.
Daher ist es für Dich auch wichtig, was du jetzt durchmachst. Der ganze Kummer, die Tränen, die Hoffnungslosigkeit, wenn am Ende was Anderes steht. Eine die zu sich steht, die weiß, dass wie wertvoll ist und dieses Kapital nicht an die falschen Menschen verschleudert, sondern dort, wo es auch geschätzt wird.
Der Ex. ist deformiert, er wurde deformiert, aber das ist alles nicht Deine Baustelle. Deine Baustelle bist Du selbst und wenn Du die später mal ein wenig aufräumst, stehst Du anders im Leben als vorher.
Egal wie lange die Beziehung war, die Ablösung dauert und dauert und zieht sich und auch Rückschläge kommen. Das ist normal, denn Du bist kein Automat. Ein, zwei Jahre bis Du richtig clean bist. Es ist eine lange Zeit, aber Du wirst selber merken, dass der Schmerz sukzessive nachlässt, weil wieder andere Dinge wichtiger werden. Du selbst z. B.
Du hast das nicht umsonst erlebt, Du kannst für Dich etwas daraus lernen und darauf kommt es an. Halte durch, das wird schon. In ein paar Wochen wird es schon ein wenig besser, dann noch mehr und dann noch mehr. Und dann kommst Du an die Reihe weil der Ex. mitsamt seiner Mutter weg ist.
Kein Kontakt mehr, kein Gescheibsel. Mach einen klaren Cut. Tut weh, aber das verkürzt Ablösung. Ich habe damals den Fehler gemacht, ihn noch als "Freund" zu behalten. Was für ein Unsinn. Es tat ja nur wieder weh und ich war emotional wieder mit ihm befasst. Eine Ex. mit Liebeskummer kann keine Freundin sein. In dem halben Jahr hätte ich mich schon viel weiter ablösen können. Die Gefühle müssen sich umgewöhnen, Du fühlst ja auch eine Lücke im Leben , die Du noch nicht kompensiert hast und das geht am besten mit null Kontakt. Auch Abstand ist so was wie Umgewöhnung.
Mach was draus, dann ziehst Du auch Gewinn daraus. Aus Krisen kann man lernen und leider lernt der Mensch nur aus Krisen.