Balbax
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schön, dass ich den Weg zu euch gefunden habe. Natürlich liegt mir sofort etwas auf dem Herzen und möchte einfach mal niederschreiben, was mir momentan so durch den Kopf geht.
Meinen Ex-Freund habe ich vor 2 Jahren kennengelernt. Anfangs war alles sehr schön gewesen. Ich habe nach vielen Jahren das Gefühl gehabt, endlich wieder mit einem Menschen glücklich sein zu können. Wir haben fast jede Minute miteinander verbracht, wenn die Zeit es zugelassen hat. Wir waren immer unterwegs. Eigentlich hätte das Leben nicht schöner sein können. Es wurde viel geredet, gekuschelt und auch der Se. war wirklich schön. Es dauerte nicht lange, da hatte er mein Herz erobert. Wir hatten einfache eine intensive und schöne Zeit miteinander.
Nach ca. 6 Monaten änderte sich dann aber die Situation und es wurde immer unerträglicher. Er hat sich charakterlich komplett verändert. Erst fing es damit an, dass er mich nicht mehr anfasste, von mir aber viel körperlicher Nähe gefordert hatte. Der Se. wurde immer einseitiger und irgendwann bin ich komplett auf der Strecke geblieben. Ich habe gemerkt, dass es mir immer schlechter ging. Ich wusste nicht, wie ich mit der Situation umgehen sollte. Ich dachte, wenn ich Ihm noch mehr Liebe gebe und mich anstrenge, dass er mich dann schon wieder lieben wird. Mir hätte ein nettes Wort schon gereicht. Eine kleine Umarmung. Ein ich hab dich lieb. Ich hatte das Gefühl, trotz vollem Glas Wasser zu verdursten.
Irgendwann konnte ich einfach nicht mehr und habe mich distanziert. Als er das gemerkt hatte, ging der Alptraum erst richtig los. Er fing an, mich zu unterdrücken. Erst mit Worten und später mit den Händen. Er sagte mir immer wieder, was für ein schlechter Mensch ich bin. Das ich keine Freunde hätte und mich niemand mögen würde. Er hatte recht, ich hatte meine Freundschaften vernachlässigt, weil er immer wieder Wutausbrüche hatte, wenn ich mich mit Freunden treffen wollte. Irgendwann habe ich des Friedens wegen nachgegeben und es aufgegeben. Nach einiger Zeit habe ich einfach nur noch das gemacht, was er wollte. Ich wollte einfach jeden Streit und Wutausbruch vermeiden. Dabei lag ich nachts weinend neben Ihm, weil ich Ihm so nah war, aber er trotzdem so unerreichbar war. Er schlief seelenruhig, ich konnte es nächtelang gar nicht.
Nach weiteren Monaten hatte aber auch das nicht mehr gereicht. Es gab immer wieder Wutausbrüche und immer war ich schuld. Einmal fragte er mich, ob ich mit Ihm was unternehmen möchte. Mir ging es an dem Tag aber nicht gut und ich sagte, ich würde mich gerne auf der Couch ausruhen. Er wurde sofort verbal aggressiv und meinte, du kommst jetzt mit oder es gibt Stress. Was dann passierte, naja lieber nicht hier. Ich ging dann mit und unternahm etwas mit ihm. Abends habe ich dann versucht, mit ihm über diese Situation zu reden. Er sagte mir, es sei meine Schuld, dass er so austicken würde. Ich hätte ja einfach direkt mitgehen können und dann wäre alles in Ordnung gewesen. Solche Situationen gab es in den 2 Jahren ca. 50 - 80 mal.
Es war ganz typisch, dass ich immer die Schuld hatte, wenn er Wutausbrüche hatte. Irgendwann sprachen mich Leute in meiner Umgebung auf meine blauen Flecken am Körper an. Es fiel mir immer schwerer, zu erklären, woher diese kamen. Als ich irgendwann nicht mehr konnte und suizidale Gedanken hatte, musste ich eine psychosomatische Klinik, in welcher eine mittelschwere Depression bei mir festgestellt wurde. Nach der Klinik ging es mir schon viel besser und ich habe den Kontakt abgebrochen. Nach kurzer Zeit aber wickelte er mich wieder um den Finger und ich war so dumm mich wieder mit Ihm zu treffen. Das war immer so. Wenn er merkte mich zu verlieren, war er kurzzeitig wie am Anfang unserer Beziehung. Dann hatte ich immer das Gefühl, er würde sich jetzt ändern und alles wird gut. Eine kleine Umarmung und ich sagte mir, das wird schon wieder werden. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Aber nichts wurde gut. Ich bin fast 2 Jahre durch die Hölle gegangen. Eines Tages kam er nicht zu mir nach Hause, obwohl wir uns verabredet hatten. Ich rief Ihn an und fragte Ihn, wo er denn bleiben würde. Er sagte mir dann aber ganz beiläufig, dass er bei seiner neuen Partnerin sei und nicht mehr kommen würde. Ich war wie erstarrt und konnte es einfach nicht fassen und begreifen.
Sein Leben geht einfach weiter und er ist glücklich, während ich hier vor einem Scherbenhaufen stehe und meine Zeit einfach stehen geblieben ist. Ich fühle mich so dumm, weil ich alles gegeben habe und am Ende einfach so fallen gelassen wurde. Ich habe immer gekämpft und am Ende den Kampf verloren. Ich liebe diesen Menschen, immer noch. Rational ist mir bewusst, dass ich froh sein kann, dass er weg ist. Die Gefühle sprechen aber eine andere Sprache.
Ich frage mich die ganze Zeit, was er gerade macht. Ob er Ihr jetzt vielleicht mehr geben kann als mir. Redet er mit Ihr oder schweigt er nur wie bei mir? Ob Sie das bekommt, worum ich immer gekämpft habe? Lachen Sie zusammen, wie es mal in unserer Anfangszeit war? Was würde ich für eine Umarmung und ein - alles wird gut - geben. Das wird aber nicht passieren. Ich fühle mich leer, ausgenutzt. Das schmerzt.
Es ist halt der typische Liebeskummer. Ich weis nicht, wie es weiter gehen soll. Ja klar ich treffe mich mit Freunden und versuche mich abzulenken. Es fühlt sich aber an, als wenn ich mir selbst etwas vormache. Es fühlt sich nicht gut an und eigentlich sind meine Gedanken bei ihm. Ich schaffe es nicht, ihn aufzugeben. Noch nicht. Jemals? Ich weiß es nicht.
Ein kleines Zitat, welches mir momentan viel Kraft gibt:
Zitat:„Auch das schlechteste Buch hat seine gute Seite: die Letzte!“ - John Osborne
Danke fürs Lesen
